Affenliebe

Dem Sohn gelüstet es nach einem neuen Kuscheltier. Er meint, dies könne ich (seine Mutter) ihm doch nun anfertigen.

Hah – auf diese Situation bin ich vorbereitet! Habe ich doch erst kürzlich ein Buch mit Häkelanleitungen für zahlreiche Kuscheltiere von „MyBoshi“ gekauft. Dieses Buch enthält nicht nur die Anleitung zu den Kuscheltieren sondern gleich auch noch eine dazugehörige Gute-Nacht-Geschichte. Das ist doch was!

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Stolz präsentiere ich dem Sohn das Buch und ermuntere ihn, sich ein Tier auszusuchen. Interessiert schaut er sich die Übersicht an, reicht mir sodann das Buch und verkündet, dass er den Affen nehme. Affenliebe weiterlesen

Ins kalte Wasser gesprungen

Ich wäre dann soweit! – Wofür? Na, für die Einlösung der Neujahrsvorsätze. Ja, ich weiß, jetzt sagen alle: „Aber es ist doch schon mehr als die Hälfte des Jahres um.“ Wenn ich aber jetzt bis zum Jahresende durchhalte, dann habe ich mehr geschafft als der statistische Durchschnitt, der seine Neujahrsvorsätze ganz eifrig gleich am 2. Januar umsetzt und dann ist Ende März die Luft raus.

Also nun zum eigentlichen: Was sind denn nun meine Neujahrsvorsätze? Natürlich ganz klassisch und langweilig: Mehr – oder überhaupt – Sport machen. Denn sportliche Menschen haben nur Vorteile, so liest es sich zumindest in sämtlichen Zeitschriften.

Die Frage ist nur, welchen Sport? Zur Inspiration ziehe ich das Programm des ortsansässigen Sportvereins heran und bin begeistert von der Vielzahl von Sportarten, die ziemlich trendig klingen: Aroha, Antara, Kaha, Ninjutsu sowie gefühlte 25 verschiedene Yogaarten (u.a. Yogilates),  …

Kenn ich alles nicht, hört sich aber super an. Nachdem ich mir für jede mir unbekannte Sportart die Beschreibung durchgelesen habe, lege ich das Programm beiseite und gewähre mir noch ein bisschen Bedenkzeit. So eilig ist es nun auch nicht mit dem Sport machen …

In der Zwischenzeit erfahre ich bei einer netten Feier, wie weit man den Sportbegriff ausdehnen darf. Über den „normalen“ Sport hinaus, gibt es nämlich, neben dem in den 80ern so gerne benutzten Begriff des Denksports, auch noch den Grillsport. Ich bin ein bisschen verwundert, werde aber schnell aufgeklärt, dass es sich hier wirklich um eine ernstzunehmende Sportgemeinschaft handelt, die sogar international organisiert ist. Ja, gut. Es mangelt mir an ernst zunehmenden Erfahrungswerten, um hier mitreden zu können. Das ist also kein Sport für mich, in dem die Community mir Zutritt gewähren würde.

Während ich mir also weiterhin den Kopf darüber zerbreche, welche Sportart, den nun die richtige für mich ist, fragt mich eine Freundin, ob ich mit ihr schwimmen gehe. Ich frage nach „Wie meinst du das?“, „Na ja, schwimmen halt.“ Das klang zu einfach, um wahr zu sein.

Bei meiner Recherche der möglichen Sportarten ist mir „Schwimmen“ nicht untergekommen, aber es werden sogleich Freibaderinnerungen mit anschließender Schaumwaffel aus den 80ern geweckt. Nun gut, ob das damals so viel mit Sport zu tun hat ist eine andere Frage. Meine Freundin macht auch ziemlich schnell klar, dass das Schwimmen, für welches sie mich begeistern möchte nichts mit „baden“ zu tun hat. Ich bin trotzdem begeistert: eine Retro-Sportart! Das kann so schwierig ja nicht sein, wenn das vor mir schon etliche Generationen geschafft haben, diese Sportart zu beherrschen.

Bevor es also ins Hallenbad ging, führte mein erster Gang zum nächsten Sportgeschäft, in dem ich mir erst einmal einen Badeanzug kaufte. Ein Bikini ist vielleicht das richtige um am hiesigen Strand zu baden, oder auch zu „beachen“, aber nicht für das sportliche Schwimmen, dem ich nun  eine Chance geben wollte.

Dass es meiner Freundin ernst war, mit dem sportlichen Schwimmen, erfuhr ich beim ersten Assessment meiner Schwimmfähigkeiten. „Entwicklungspotential ist vorhanden“ war noch eines der charmanteren Bewertungen. Es wurde ein wöchentlicher Trainingsplan erstellt, der immer wieder neu bewertet und angepasst wurde. Wenn schon – denn schon!

Ein paar Wochen und verschiedene Lagen später (ich beherrsche mittlerweile sogar das Kraulen!), stelle ich einen bestimmten Bedarf an Ausrüstungsgegenständen fest. Neben den im Sportfachhandel erhältlichen Gegenständen wie Tauchring, Schwimmbrille und Flossen, u.ä. benötige ich vor allem eine Tasche, in der ich meinen nassen Badeanzug aufbewahre, damit dieser nicht alle anderen Sachen in meiner Sporttasche nass macht.

Ich habe noch einen Rest von einem Wachstuch (eigentlich das gleiche, was meine Oma immer als abwischbare Tischdecke benutzt hat) und nähe daraus fix eine Tasche, die ich dann noch mit einem Reißverschluss versehe. Das Wachstuch ist leicht zu vernähen und es kommt meiner Bequemlichkeit entgegen, dass die Nähte bei diesem Stoff nicht versäubert werden müssen.
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Fortan transportiere ich meinen nassen Badeanzug geschützt in dieser Tasche. Schnell noch eine zweite davon für die Freundin genäht. Wunderbar!

Sogleich tut sich das nächste Problem auf: Beim dem Schwimmtraining anschließenden duschen, kann man das Haarshampoo und das Duschgel natürlich erst aus der Kulturtasche heraus nehmen, die dann an einem trockenen Ort beiseite legen, dann duschen und die beiden Flaschen dann wieder einsortieren. Für meinen Geschmack ist der logistische Aufwand relativ hoch und ich würde eine Lösung bevorzugen, in der die Kulturtasche ohne Bedenken mit in den Duschraum genommen werden kann.

Also fertige ich aus dem Verschnitt eines Segels diese Tasche an.

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Aus der Zahl schneide ich ein Seepferdchen aus und nähe dies auf das obere Drittel eines Rechtecks. Danach nähe ich den Reißverschluss auf beiden kurzen Seiten ein und knicke dann das Rechteck einmal in der Mitte. Zumindest versuche ich zu knicken, das Segel ist aber widerstandsfähiger als ich es ihm zugetraut hätte. Hier ist Gewalt zur Abwechslung mal eine Lösung und ich kann endlich die Seitennähte nähen, nachdem ich den Stoff mit käftig und unsensibel nach unten drücke.  Von dieser „Tüte“ nähe ich unten an den Ecken jeweils ein Dreieck ab, um die bauchige Form zu erhalten. Auch hier müssen die Kanten nicht versäubert werden, aber das Segel erweist sich auch beim Nähen als ziemlich störrisch und es kostet mich einige Maschinennadeln, um eine vernünftige Naht hinzubekommen. Mit der stärksten verfügbaren Jeansnadel gelingt es mir dann aber die Nähte zu schließen.

Diese erste Tasche ist erst einmal ein kleines Dankeschön für meine unermüdliche Trainerin, die mich motiviert hat ins kalte Wasser zu springen.

 

A Real Challenge

I am higly motivated to work on my New Year’s Resolutions:

No Clutter – No More

Going through my several boxes of fabric skeletons, I already know that this is not going to be easy.

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I want to start with a real challenge and therefore I pick the most hideous fabric.

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I don’t remember what got into me buying this and to tell you the truth, I don’t really want to know. As if the awkward pattern is not enough, the fabric itself is a very thin viscose jersey that is probably going to slide up and down while sewing it.

I go for a very simple pattern from the book „Lieblingsteile selber nähen“. I already know for sure that the result is not going to be in the top 10 of my favourite clothes. But I will give it a try:

There are only two pieces to be copied from the pattern and the instruction itself strikes me as very easy to follow. The only suspicious thing is the pucker at the waistline. But after a few attempts with the thread tension, I find the ideal setting for making the pucker and only a couple of hours later, I have the final results.

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This ain’t too bad. In fact, I can’t even wait of Germany’s freezing temperatures to rise so that I can wear it. What a nice surprise!

I hope my fabric boxes contain more nice surprises like this.

 

Newcomers

I want to start 2016 with an unfinished project that really requires my attention now. It is an urgent matter: a newcomer to this world is fighting the cold winter weather and needs some support.

I had started this baby hat right after I found out about her arrival in this world. So timing seems not only right, but a little pressing. If I don’t finish the hat soon, baby will be big enough to knit me a hat.

So, a few nights in front of the TV later, it is done.

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The knitting pattern is (once again) in my favourite magazine OTTOBRE (4/2012).

Since I have some left-over yarn, I decided to complement baby’s look with some knitted booties:

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I am so happy to finally got a chance to knit for a baby girl. Enough blue already!

 

 

No Clutter – No More

Two months ago we moved house. Although we had movers and all possible help, it was still a pain. Not so much the work of unpacking and hanging up pictures but more the thought process: Does one person (or in our case, do three persons) really need so much stuff? I would like to think and state that my clutter was a fair 33.33% but that is just not true. So this has to stop and the new year is coming in handy. My New Year’s Resolution: No Clutter – No More. But how to get rid of  old stuff and not accumulate new unneccessary things? After a short evaluation I figured out the biggest source of my clutter: fabric skeletons and half finished projects that are spread out over several cupboards and shelves.

„No Clutter – No More“

  • Rule 1: No buying new clothes.
  • Rule 2: New clothes need to be a DIY-Project.
  • Rule 3: Before being allowed to buy new fabric, all accumulated fabrics (no matter how small) need to be used first.
  • Rule 4: Finish all started projects. (This is the hardest)!

Since New Year’s resolutions are called New Year’s and not Old Year’s resolutions, I allow myself one last purchase of simple black jersey. This last fabric I use to make a simple T-Shirt dress with a square neckline. The pattern is from my favourite sewing magazine OTTOBRE (5/2015).

DSC_0180_600x400As it is very easy it didn’t take me long to make and I am ready to give the new year yet another go at the sewing machine.

2016 will be my DIY Year. You will see. Just watch me.

Shorts for the Sunny Side of Life

I like surprises. I consider a surprise as being a deviation from the normal/average situation. The average weather in Northern Germany is rain. Sometimes colder (i.e. in winter), sometimes warmer (i.e. in summer).

That means that son’s wardrobe for summer contains two pair of shorts. That’s it. And it seems to be a sufficient number for normal summers as I have plenty of time to do the laundry before the rain disappears and the sun dares to come out again.

But two weeks ago I was surprised … by the weather. Suddenly we have three days of sun in a row and I can’t quite believe what is going on.

We take advantage of the nice weather and go from one ice cream shop to the next. Needless to say that my son’s ice cream eating style includes decorating his clothes with the above mentioned. All of a sudden two pair of shorts seem to be okay for one afternoon but not even an entire day.

So inbetween two ice cream outings I sit in front of my sewing machine and make these „easy to make“ shorts (pattern from Burda 06/2014) for son. It goes really fast and  that is good, there is no time to be wasted.

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Son likes his new wardrobe asset and I decide to make another pair of those when I look out of the window and I see … rain! Not quite a surprise.

Shared Love

I like cars or to be more specific: I like the functions and the possibilities of cars aka driving. I have to make clear here that when it comes to driving I am not the adventurous type. I prefer my daily routes where I can let my mind wander around, listen to soft music and not have to focus on unfamiliar areas and what direction to take.

My preferred passenger for those trips is my son. He is either babbling along and therefor is giving me nice background acoustics for my daydreams about sewing projects.

But sometimes he is so quiet that it leads to the false assumption that I am alone in the car and so it happened already more than once that I drove to work and was ready to leave my car for the day when suddenly my eye caught a toddler who is happily grinning at me; when I was supposed to have dropped him off at day care 20 minutes ago.

But not so when we pass a fire engine, an ambulance, a digger, a truck or any other special car (you name it). Then this so quiet boy suddenly screams out the name of the vehicle in question and dare I not to respond immediately!

So, even if my interest for busses, tractors and so on is not as big as my son’s, one can detect a mutual component here. And since sharing is caring I bought a fabric with cars to equip the son with a sweatshirt that demonstrate his love for cars and my love for him. Here it is.

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Work in Progress …

„Ich wollte doch noch … “ ist einer der von mir am häufigsten geäußerten Satzanfänge. Meistens dann wenn es sich auf ein halb angefangenes oder noch gar nicht begonnes Projekt bezieht. Die Materialien für besagtes Projekt sind oftmals schon in rauen Mengen angeschafft worden. Sei  Ich wollte doch noch den Pullover zu Ende stricken, die Nähhefte sortieren, ein paar T-Shirts für den Sohn nähen, das Badezimmer streichen, das Sofa neu beziehen, …  Die Liste der geplanten und halb begonngenen Projekte ist unendlich.

Damit ist aber jetzt Schluss! Habe heute meinen Wollvorrat gesichtet und beschlossen: Das kann so  nicht weiter gehen!

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Ich habe mir vorgenommen alle vorhandenen Wollreste innerhalb eines Jahres zu verarbeiten, das heißt bis zum 1.3.2016.

Ein paar Ideen habe ich schon und den Anfang – wie soll es anders sein – habe ich auch schon gemacht mit einer Decke bestehend aus gehäkelten Granny Squares. Ob es eine Babydecke wird oder wie ich hoffe eine Tagesdecke für ein Doppelbett ist weniger vom vorhandenen Material als von meiner Geduld abhängig.

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Mal sehen ob ich am 28.2.2016 wieder sage: „Ich wollte doch noch diese Decke mit den Granny Squares fertig häkeln.“ Ich werde berichten.

Früher war alles besser …

Auf einer Zugfahrt von Kiel nach Hamburg, hatte ich leider meine Lektüre zuhause vergessen und langweilte mich ein bisschen. Zum Zeitvertreib beobachtete ich dann meine Mitreisenden. Mir gegenüber saß eine junge Frau (vermutlich eine Studentin) die ihre Lektüre nicht vergessen hatte und sich offensichtlich angestrengt durch ein medizinisches Fachuch quälte. Als wir ungefähr 20 km der Gesamtstrecke zurückgelegt hatten, legte sie dieses Buch mit einem Seufzer beiseite und kramte dann gleich mit einem viel entspannteren Gesichtsausdruck in ihrer Tasche. Ich war sehr gespannt, was sie denn gleich da herausbefördern würde und stellte still Vermutungen an: vielleicht Schokolade (mochte daran liegen, dass ich selber ein bisschen Hunger hatte), eine Frauenzeitschrift,…

Aber nein, es war ein Knäuel Wolle, mit einem Set Stricknadeln und einem bereits begonnenen Socken. Sie fängt an mit den Nadeln zu klappern und eine Masche nach der anderen abzustricken. Das Stricken scheint eine meditative Wirkung auf sie zu haben, denn ihre Gesichtszüge sind auf einmal sehr entspannt.

Fast ein bisschen wehmütig muss ich daran denken, dass meine Strickkarriere im Alter von 16 Jahren mit dem gleichen Projekt begann. Bei einer Tasse Tee mit irgendwelchen künstlichen Aromen (auf die ich heute lieber verzichte) und zur Musik von „Simon & Garfunkel“ haben meine damalige Schulfreundin und ich Socke um Socke gestrickt. Die eine bunter als die andere und wenn es auch damals nicht schon ein paar Jahre her wäre, so fühlten wir uns dem Hippie-Zeitalter doch sehr nah und verbunden.

Wieder zuhause angekommen, durchwühle ich mehrere Kartons auf dem Dachboden und finde dann das gesuchte Objekt: Ein Paar Socken, auf dem Höhepunkt meiner Sockenkarriere gestrickt. Ich kann mich noch wie heute an das zeitaufwändige Zopfmuster erinnern. Stecke diese Socken gleich in die Waschmaschine und bin erstaunt, dass sie nach über 20 Jahren noch nicht auseinanderfallen und wieder von mir getragen werden können.

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Meine Socken-Karriere wurde damals zwei Jahre intensiv verfolgt und fand dann ein jähes Ende. Rückblickend frage ich mich immer noch, was das Ende ausgelöst hat und ich glaube es lag an zwei Dingen: Socken stricken war auf einmal doch nicht mehr so hip wie ich dachte und dann braucht man als Strickanfänger unendlich viel Geduld und Zeit um so eine Socke zu beenden. Und dann müssen es ja naturgemäß auch noch gleich zwei sein.

Dann muss ich aber wieder an die junge Frau im Zug denken und entscheide mich der Sockenstrickerei noch einmal eine zweite Chance zu geben.

Da ich mich nicht mehr an die genaue Herstellung erinnern kann, durchforste ich das Internet nach Anleitungen zum Sockenstricken mit fünf Stricknadeln. Ich werde zwar fündig, stoße dabei aber auch auf eine ganz ungewöhnliche Art Socken durch Kurbeln mit einer Art Strickliesel herzustellen. DIese Wundermaschine heißt „Addi-Express“. Dies soll, darf man den Hersteller glauben, eine Möglichkeit sein, Socken in Turbogeschwindigkeit herzustellen. Das sagt ja auch schon der Name. Vor meinem geistigen Auge entehen 10 Paar Socken, die ich mal eben schnell an einem Abend kurbel und dann damit meine Familie und meinen gesamten Freundeskreis beglücke. Also mehr braucht es nun wirklich nicht, um mich zu überzeugen. Mit einem Klick ist diese Wundermaschine bestellt. Knappe 60 Euro für zukünftig unendlich viele selbstgemachte Socken, finde ich auch nicht zuviel.

Nun noch entsprechendes Material: Ich lese in weiteren Beschreibungen, dass sich am besten 8-fädige Sockenwolle eigne. Das finde ich persönlich ja ein bisschen zu dick, aber wenn es sein muss…

Also auch noch schnell ein Knäuel 8-fädige Sockenwolle und ein Knäuel 6-fädige (vielleicht funktioniert das ja doch) von Woll-Butt dazugekauft.

Ein paar Tage später erreicht mich das Paket mit dem Addi-Express und der Wolle. Ich packe es gleich aus und spanne gemäß Anleitung den ersten Faden in den Kreis. So weit so gut. Dann fange ich an zu kurbeln. Hmh, nach einer halben Runde reißt der Faden. Mir bleibt nichts anderes übrig, als den verbliebenen Fadenrest aus der Maschine zu pulen. Also noch einmal vorn. Ganz vorsichtig drehe ich diesmal die Kurbel und schaffe fast eine ganze Runde bevor der Faden von einem der Haken rutscht und ein unschönes Loch hinterlässt. Ich suche eine Häkelnadel um den Fehler auszugleichen. 10 Minuten später drehe ich weiter und schaffe eine ganze weitere Runde. Der Turbogang ist das nicht gerade. Vielleicht bin ich auch nicht feinfühlig genug. Versuche alle meine Sensibilität auf dieses Gerät zu richten und gleichzeitig meine Frustrationsgrenze nach oben zu schrauben. Schaffe in einer halben Stunde 5 cm mit Löchern durchsetzten Strickschlauch. Übung macht den Meister. In diesem Sinne nehme ich meine ganze Geduld zusammen und kurbel weiter.

Der Mann kommt von der Arbeit wieder. Als er mich vor dem Addi-Express beim Kurbeln sieht, zieht er nur eine Augenbraue hoch. Ich weiß diese Reaktion nicht so recht zu deuten und zeige auf den angefangenen Strickschlauch. „Das hast du gestrickt?“ fragt der Mann. „Nein, das habe ich gekurbelt“ antworte ich und demonstriere dies. Natürlich zeigt der Vorführeffekt seine Wirkung und der Faden reißt wieder. „Das passiert mir sonst nicht“ behaupte ich wenig überzeugend und schaffe es danach sogar 2 Runden am Stück zu kurbeln. Dann mache ich lieber eine Pause. Man soll sein Glück nicht herausfordern. „Und, wie findest du das?“ frage ich den Mann. Der Mann sagt nur ein Wort „Entwürdigend!“ und ich komme nicht umhin, ihm insgeheim Recht zu geben.

Es gibt bestimmt ganz viele Mensche, die mit sehr viel Feingefühl und dem „addi express“bereits perfekte Strickschläuche gekurbelt haben. Ich gehöre allerdings nicht dazu!

Der Mann, der auch noch nebenbei Rechtsanwalt ist, weist mich auf mein Widerrufsrecht hin. Von diesem Recht mache ich Gebrauch, packe den Addi-Express sorgfältig wieder ein und meine Sockenstricknadeln aus. Direkt nachdem ich das Paket zur Post gebracht habe, fahre ich zum Wollladen und kaufe mir ganz weiche, 4-fädige und sogar trocknergeeignete Sockenwolle mit einem, meiner Meinung nach sehr schönen Farbverlauf. Dünne Sockenwolle hat sowieso bessere Trageeigenschaften und ob so ein Sockenschlauch diesen Anspruch an Trageeigenschaften erfüllt, ist ja auch noch fraglich.

Ich gehe aufs Ganze und kaufe mir ebenfalls das Buch „100 Socken für die ganze Familie“ (Think big!) und lege gleich los. Nach vier intensiven aber sehr entspannten Sockenstrickabenden habe ich ein sehr schönes Paar Socken!

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Nachdem ich meinen Frust der Sockenkurbelei überwunden habe, stricke ich mit der 8-fädigen Wolle noch ein Paar Socken auf die ganz altmodische Art mit 5 Stricknadeln.

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Vielleicht lässt sich der technische Fortschritt ja doch noch stoppen.